Schildbürgerstreich Heilig Geist Steg Traunstein





Kürzlich wurde das zweite Brückenfragment des "Heilig Geist Steges" über die B304 montiert. Bauherr dieses Projekts ist das Staatliche Bauamt Traunstein.

Heilig Geist Steg Traunstein
Montage des zweiten Teils des Heilig Geist Stegs Traunstein am 4. August 2019


Bereits beim ersten Blick auf das neue Bauwerk merkt man: Hier sind gleich mehrere Dinge gründlich daneben gegangen:

1. Der vormalige praktische Fuß-Radweg von der Heilig Geist Brücke hinunter zu Motorrad Weidacher Richtung Tankstelle/Teisendorf ist nicht mehr vorhanden, er wird nun durch das Fundament der neuen Brücke blockiert! 

Traunstein Heilig Geist Steg Blokade Brückenfundament
Heilig Geist Steg Traunstein. Das Brückenfundament (rechts oben im Bild) blockiert den früheren Fuß- Radweg, mittlerweile hat sich ein Trampelpfad gebildet.

Radfahrer und Fußgänger die von der Traunsteiner Innenstadt über die im Volksmund auch " Wamsler Rutsche" Richtung Teisendorf / Tankstelle unterwegs sind müssen nun einen Umweg zunächst Richtung Sparz und dann um 180 Grad wieder zurück zum Kreisverkehr in Kauf nehmen. Dies ist immerhin ein Umweg von über 215 Metern (einfache Entfernung).

Traunstein Heilig Geist Steg Fuß Radweg blokiert
Der vormalige Fuß / Radweg (rot durchgestrichen) existiert nicht mehr. Quelle Screenshot: openstreetmap.org


2. Leider führt der neue Steg nach "Nirgendwo", hier will eigentlich niemand hin, und wenn man die Schleife bis ganz hinunter zur Heilig Geist Straße geht steht man auf der Seite der Straße bei der der Fußweg nach wenigen Metern endet, man muss also die Straße an einer unübersichtlichen Stelle überqueren, hier wurde also wieder ein neuer gefährlicher Straßenübergang im Kreuzungsbereich geschaffen der eigentlich längst obsolet war.

Traunstein Heilig Geist Steg Richtung Nirgendwo
Weg Richtung Nirgendwo

Traunstein Heilig Geist Steg Zugang Nirgendwo
Zugang zum Heilig Geist Steg im Nirgendwo


Es stellt sich die Frage warum diese Brücke überhaupt gebaut wurde. Es hätte die Planer des Staatlichen Bauamts stutzig machen können als noch vor Baubeginn ein Anlieger im Bereich des neuen Bauwerks geklagt hatte - offensichtlich hatte dieser die Sinnlosigkeit des Projekts frühzeitig erkannt. Vom Gericht wurde dem Kläger damals bereits im Vorfeld die Aussichtslosigkeit seiner Klage klargemacht, woraufhin dieser die Klage zurückzog. Die Kosten der Brücke wurden zu Baubeginn auf etwa 1,9 Millionen Euro veranschlagt, derzeit stehen laut Straßenbauamt 2,3 Millionen zu Buche, bezahlt hat der Bund. Das klingt fast so als ob den Traunsteiner Bürgern eine Brücke aus Berlin zum Geschenk gemacht worden wäre - natürlich stammt das Geld aus unseren Steuergeldern und zusätzlicher Staatsverschuldung für die der Steuerzahler in Zukunft auch noch Zins und Zinseszins aufbringen muß.

Wer hat eigentlich den Wunsch nach einer Brücke an dieser Stelle geäussert?
Laut Chiemgau24 hatte der Elternbeirat des Surberger Kindergartens eine Brücke gefordert - hier scheint es sich jedoch um eine Fehlinformation oder um ein Missverständnis zu handeln, denn der Surberger Kindergarten befindet sich ca. 4 Kilometer entfernt in Surberg. Der Ortsteil Hallabruck gehört zwar zur Gemeinde Surberg, aber dort befindet sich kein Kindergarten. Es bleibt also völlig im dunkeln wer überhaupt ein Interesse am Bau der Brücke geäussert hat.

Die neue Brücke soll sogar mit elektrischer Heizung zur automatischen Schneeschmelze ausgestattet sein. Laut Straßenbauamt "...wird die Brückenbahn mit in den Dünnbelag eingelegten dünnen Heizplatten elektrisch beheizt, um diese im Winter mittels eines geringen Temperaturunterschieds eisfrei zu halten". Wie viel Energie wird wohl benötigt um die über 70 Meter lange  Verkehrsfläche im Winter von z.B. Minus 5 Grad auf 5 Grad Plus zu erwärmen? Und bei Wind dürfte die Energieanforderung schnell noch weiter anwachsen.

Es ist anzunehmen dass die Stadt Traunstein den dazu nötigen Strom von der Stadtwerke Traunstein GmbH beziehen wird. Der Strommix für Industriekunden besteht dort laut Eigenaussage u.a. aus 8,9 % Kernenergie, 22,8 % Kohle, 6,5 % Erdgas und 1 % sonstigen fossilen Energieträgern. Während die Menschen nicht nur in Traunstein angesichts der für ihre Zukunft bedrohlichen Klimaerwärmung auf die Barrikaden gehen (Fridays4Future) entsteht in Traunstein ganz wie zu Zeiten, als der Begriff Umwelt noch unbekannt war, eine Brücke mit eingebauter Energieverschwendung.

Bei dieser unerfreulichen Sachlage spielt es kaum noch eine Rolle dass die Bauzeit des Steges bereits enorm überschritten wurde, diese war vorgesehen von der KW 18.2018 bis zur KW 12.2019, d.h. der Steg hätte eigentlich schon Mitte März 2019 fertig sein müssen. Bei der Montage des zweiten Brückenabschnitts stellte sich nun heraus, dass zwischen den beiden Brückenfragmenten eine Lücke von ca. einem Meter verbleibt, was vermutlich auf einen Planungsfehler zurückzuführen ist.

Traunstein Heilig Geist Steg Lücke
Lücke zwischen den Brückenfragmenten


Die weitere Fertigstellung verzögert sich damit auf unbestimmte Zeit. Beim Traunsteiner Straßenbauamt hält man es offensichtlich für unnötig den Bürger (=Steuerzahler) vor Ort  in Form z.B einer Infotafel über die Dauer der Verzögerung zu informieren.

Wie konnte es zu solch einer Fehlleistung (Blockade des alten Weges) kommen?
Hat man beim staatlichen Bauamt ohne vorherige Abklärung der Verhältnisse die Planung einfach an ein Ingeneurbüro abgegeben? 

Köppl Ingenieure Rosenheim
Köppl Ingenieure Rosenheim


Eigentlich undenkbar. Infrastrukturmaßnahmen sollten doch dazu dienen die Verkehrs- und Lebensverhältnisse zu verbessern und nicht wie hier geschehen, einen wichtigen Fuß-Radweg zu zerstören. Und was hat man eigentlich bei der Stadt Traunstein nach Bekanntwerden der Pläne unternommen? Die Stadt war zwar nicht Bauherr, aber ein konkreter Hinweis der Stadt beim staatlichen Bauamt hätte sicherlich zum nochmaligen Nachdenken über die Streckenführung führen können. Der Bau dieser Brücke bleibt so unerklärlich wie ihr Verlauf.


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