Eine Reise in die Zukunft – Fahrt mit der Lokalbahn von Salzburg nach Bürmoos

Ein Vergleich zwischen der Salzburger Lokalbahn und der Traun-Alz Bahn.
Der Lokalbahnhof Salzburg befindet sich ein Stockwerk unter dem Salzburger Bahnhof. Sofort fällt auf: Hier wurde nicht gekleckert sondern geklotzt, alles wirkt ein wenig zu groß, man hat den Eindruck sich im U-Bahn-Bereich einer Großstadt zu befinden.
Die Gleise sind vom Zugbahnhof aus bequem mit dem Lift oder vom Busbahnhof aus per Rolltreppe zu erreichen. Zwei Fahrkartenschalter sind besetzt, ich bezahle beim sehr freundlichen Mann am Fahrkartenschalter 9,40 Euro für eine Tageskarte die zwischen Salzburg und Bürmoos Gültigkeit besitzt. Im Infobereich hängen viele verschiedene Fahrkarten und Infobroschüren. Der Zug steht abfahrbereit am Gleis, der Einstieg ist nicht ebenerdig – für junge Menschen kein Problem, für ältere Menschen jedoch unnötig hoch. Im hell beleuchteten und sauberen Zug setze ich mich und bin über die weiche Bank erstaunt, das erinnert eher an ein Sofa. Ansonsten sieht es aus wie in einer U-Bahn. Ein Einstieg in die Lokalbahn ist auch ohne gültiges Ticket möglich, die freundliche Schaffnerin verkauft Karten im Zug und steht für Informationen zur Verfügung. Der Zug fährt pünktlich ab, es befinden sich etwa 40 Personen im Zug. Die Lokalbahn macht einen wesentlich agileren Eindruck als der zwischen Traunstein und Traunreut verkehrende Zug da sie elektrifiziert ist.
Für üblicherweise wenig frequentierte Bahnhaltestellen haben sich die Lokalbahnbetreiber ein interessantes System ausgedacht: Der Fahrgast an der Haltestelle muss einen Knopf drücken wenn er mitgenommen werden will, dies löst ein Blinklicht über dem Wartehäuschen aus das der Lokführer von weiten sieht und ihn anhalten lässt. Vergisst der potentielle Fahrgast den Knopf zu drücken fährt der Zug gnadenlos durch – eine Lektion die man vermutlich nicht zwei mal lernen muss. Das System scheint zu funktionieren, es ist bereits mehrere Jahre im Einsatz und verhindert so unnötige, energieintensive Halte des Zuges und sorgt gleichzeitig für eine höhere Durschnittsgeschwindigkeit – Effizienz durch Nachdenken.
Pünktlich erreicht der Zug Bürmoos. Bürmoos ist eine kleine Gemeinde nördlich Laufen / Oberndorf mit ca. 4000 Einwohnern, der Charme ist etwa vergleichbar mit dem Traunreuts. Obwohl der Ort nur etwa 15 der Einwohner Traunreuts hat gibt es dort ein Bahnhofsgebäude, ein Büro das zeitweise besetzt ist und ein WC im Bahnhof, das WC ist geteilt für Damen und Herren, kann kostenlos genutzt werden und ist hell und sauber. Es bestehen in Bürmoos Möglichkeiten der Weiterfahrt nach Lamprechtshausen oder die Umsteigemöglichkeit Richtung Trimmelkam.

Die Lokalbahn-Salzburg am Bahnhof in Bürmoos


Bei einem Zwischenhalt auf der Rückfahrt in Oberndorf mache ich die selbe positive Erfahrung: Der Bahnhof verfügt über getrennte und saubere WCs und ist personell besetzt. Auch auf der Rückfahrt nach Salzburg ist der Zug gut besetzt und kommt pünktlich in Salzburg an.
Fragen drängen sich auf wenn man die Traun-Alz-Bahn und Lokalbahn Salzburg vergleicht: Weshalb ist die Traun-Alz-Bahn fast 120 Jahre nach ihrer Eröffnung immer noch nicht elektrifiziert? Weshalb wendet man das Haltestellen-Blinklicht -System nicht an? Weshalb ist es bei der Lokalbahn möglich einen Fahrschein auch während der Fahrt zu lösen und bei der Traun-Alz-Bahn nicht? Weshalb fährt die Lokalbahn bis nach 12 Uhr nachts während man bei der Traun-Alz-Bahn bereits bald nach 20 Uhr Feierabend macht?
Spontan drängt sich vielleicht die Antwort auf dass Salzburg eben eine wesentlich größere Stadt ist als es Traunstein und Traunreut zusammen sind, aber man muss dabei bedenken dass der Salzburger Norden ein recht strukturschwaches Gebiet mit relativ geringer Einwohnerzahl ist, trotzdem sind Auslastungsgrad und zeitliche Verfügbarkeit durchweg höher. Ein Anwohner der in der Nähe Oberndorfs wohnt meinte halb scherzhaft als ich mit ihm über die Lokalbahns sprach, dies sei das Tal der Glücklichen.
Es ist schwer zu verstehen warum wir im Vergleich zu unseren österreichischen Nachbarn, was den Öffentlichen Nahverkehr betrifft, so weit ins Hintertreffen geraten sind. Es scheint auch an der oftmals einseitigen Fixierung mancher Lokalpolitiker auf das Auto zu liegen, so stellte der Nußdorfer Bürgermeister Gnadl kürzlich während einer Diskussion zur Traun-Alz Bahn deren Umweltverträglichkeit in Frage als er deren angeblich hohen CO2-Ausstoß im Vergleich zum Auto bemängelte…

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